Kneipp und Corona

Über Säbelzahntiger, den Wendler und das, was wir gegen die Angst tun können

Kann man aktuell noch einen Text rund um das Thema „Gesundheit“ verfassen, ohne das Coronavirus zu erwähnen? Vermutlich ja – aber dem Autor erschien dies als eine zu große Herausforderung. Über das Virus selbst, seine Ausbreitung und seine (möglichen) Folgen wird in allen Medien ziemlich alles gesagt, was man zurzeit sagen kann. Und mitunter leider noch ein bisschen mehr. Das Ganze macht Angst. Und genau davon soll hier die Rede sein.

Börsen-Crash, Reisebeschränkungen, Geisterspiele – zu der primären Sorge, direkt selbst oder indirekt als Angehöriger von der Infektion betroffen zu sein, gesellen sich schnell weitere Fragen, was denn da sonst noch so kommen wird. Gegen Corona und seine Folgen ist nach aktuellem Wissensstand bislang noch kein ultimatives Kneipp-Kraut gewachsen. Doch ein wenig helfen kann er trotzdem. Vor allem, wenn es darum geht, der allgegenwärtigen Panik etwas entgegenzuwirken.

Woher kommt die Angst?

Angst resultiert aus dem Gefühl, bedroht zu sein. Ob die Bedrohung real ist oder nicht, spielt kaum eine Rolle. Im Zuge der Evolution hat sich die Fähigkeit, Angst zu empfinden, aus gutem Grund entwickelt: Angst schärft die Sinne und aktiviert Körperkräfte, um bei einer tatsächlichen Bedrohung schneller flüchten oder besser kämpfen zu können. Dabei ist die Alarmanlage „Angst“ sinnvollerweise höchst sensibel eingestellt: Eine Bedrohung nicht zu erkennen, ist für das Überleben weitaus schädlicher, als der verschwendete Energieaufwand bei dem ein oder anderen Fehlalarm. Und wir sind die Nachkommen genau derer, die lieber einmal zu viel als einmal zu wenig vor dem Säbelzahntiger geflüchtet sind. Das holt uns heute ein. Heute gibt es jedoch keine Säbelzahntiger mehr und so stellt sich die Frage:

Wann ist in unserer Zeit Angst wirklich sinnvoll?

Kurzum: Sinnvoll ist Angst immer genau dann, wenn sie uns vor einer tatsächlichen Bedrohung schützt und ein der Bedrohung angemessenes Verhalten auslöst, zum Beispiel, vor dem Überqueren einer Straße brav links und rechts zu schauen oder aber vor dem nahenden, verantwortungslosen Raser rechtzeitig zur Seite zu springen. Sich auf der Reise nach Mallorca im Flugzeug davor zu fürchten, jeden Moment abzustürzen, ist dagegen völlig sinnlos, zumal man sich gerade im sichersten Verkehrsmittel überhaupt befindet und sich durch den selbstgemachten Stress den Erholungswert des Urlaubs schmälert. Alle Erkenntnis hilft nichts, denn die Erfahrung zeigt: Flugangstgeplagte Menschen lassen sich in der Regel nicht von Statistiken beeindrucken. Der imaginierte Säbelzahntiger schlägt den kühlen Kopf.

Wir sind bei Corona. Und gewissen Medien.

Dass vom Coronavirus tatsächlich eine gewisse Bedrohung ausgeht, ist nicht zu bezweifeln. Wenn Sie sich jedoch die allgemeinen, vom Robert-Koch-Institut empfohlenen Verhaltensregeln zu Herzen zu nehmen, hat Ihre Angst die evolutionsgeschichtliche Aufgabe erfüllt, auch wenn uns – neben anderen Medien – ein großes deutsches Boulevard-Blatt tagtäglich etwas anderes suggerieren will: Panikgelb gefärbte Bilder und reißerische Headlines vermitteln die Botschaft, dass wir uns aktuell irgendwo zwischen nuklearem Supergau und dem finalen Armageddon befinden. Man weiß zwar noch nicht viel. Aber dass die Menschheit Corona überleben wird, gilt als ziemlich sicher.

Fünf weitere Maßnahmen

Chronische Angst, die nicht zu sinnvollen Handlungen führt, bringt nicht nur nichts, sondern ist am Ende sogar kontraproduktiv und schwächt das Immunsystem. Auch wenn sich die Sorge um Corona und die Folgen nicht einfach mit Wendlers fröhlichem „Egal!“ vom Tisch wischen lässt, ist niemand diesem Gefühl hilflos ausgeliefert. Ganz im Sinne Kneipps wäre es, trotz aller subjektiv empfundenen Bedrohung Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen und die innere Balance zu finden bzw. wiederzufinden. Wir empfehlen fünf Maßnahmen:

1. Informieren Sie sich ausschließlich über seriöse Medien!

Genannt sei hier die Tagesschau, die sich ausdrücklich und erklärtermaßen um eine ausgewogene und angemessene Berichterstattung bemüht und auch auf positive Entwicklungen hinweist, z.B. dass die Zahl der Neuinfektionen in China nahezu stagniert und hier ganz allmählich wieder der Alltag einkehrt.

2. Bleiben Sie in Bewegung!

Bewegung stärkt nicht nur den Körper, sondern auch die Seele: Sport steigert die Produktion von Glückshormonen wie Endorphin, baut zeitgleich Stresshormone ab und reduziert den Empfang von Stressbotenstoffen.

3. Atmen Sie tief durch!

Wie gut bewusstes Atmen tut, können Sie jetzt sofort ausprobieren: Atmen Sie vier Sekunden ein und anschließend sechs Sekunden aus. Versuchen Sie, diese Atemübung zehn Minuten lang durchzuhalten.

4. Stärken Sie Ihr Immunsystem!

Neben Bewegung und Atemübungen helfen auch kurze Reize mit kaltem Wasser mit wechselwarmen Güssen über Arme und Beine, das Immunsystem zu stärken. Ganz Kneipp, also.

5. Tun Sie das, woran Sie selbst glauben!

Für die einen ist es „An apple a day …“, für die anderen Omas Hühnersuppe. Vielleicht haben Sie auch einen Engel oder einen anderen himmlischen Ansprechpartner. Ganz im Ernst: Wenn Sie für sich selbst bereits eine bewährte Methode als Maßnahme gegen Angst und Krankheiten gefunden haben, dann wird sie auch bei Corona und der Angst funktionieren.

Bleiben Sie gesund!

Peter Kaprolat ist als Redakteur und Ideengeber für Tourismusverbände, Reiseanbieter und Gesundheitsdienstleister tätig – unter anderem auch für die Kneipp Premium Class. Mit seiner Kommunikationsagentur 7eins unterstützt er Unternehmen bei deren digitaler Ausrichtung.

Kategorie: Kneipp, TOP Themen