Billigfleisch im Supermarkt

Vom Guten des Schlechten

Über Moral-Apostel, den Pfarrer und das rechte Maß Dass die weit über tausend Corona-Neuinfektionen im Umfeld fleischverarbeitender Betriebe eine Katastrophe sind, muss nicht betont werden. Etwas Gutes hat die Sache doch, auch wenn Menschen, die in den neuen Hotspots zu Hause sind, dies verständlicherweise kaum so sehen können: Covid-19 hat medienstark und unübersehbar ans Tageslicht gezerrt, dass die industrielle Massenproduktion und der maßlose Konsum von Billigfleisch nicht nur für Tiere, sondern vielfach auch für Menschen ein Elend sind. Trotzdem ist es verfehlt, einen einzelnen Unternehmer nun zum personifizieren Bösen zu erklären und als Alleinschuldigen sehen.

Die Politik ist gefragt! Klar ist geworden: Es macht wenig Sinn, weiterhin auf die Vernunft der Verbraucher, die Fairness von Unternehmern oder gar die „Kräfte des Marktes“ zu setzen. Bei den Schnäppchen in der Kühltheke des Supermarktes gerät auch bei den lautesten Moral-Aposteln die Sorge ums Tier- und Menschenwohl nur zu schnell in Vergessenheit. Auch die Unternehmer, die aus ethischen Erwägungen freiwillig auf potenzielle Umsätze verzichten, dürften langfristig in der Minderheit bleiben. Um für die Produktion und den Konsum von Fleisch wieder das richtige Maß zu finden, sind veränderte gesetzliche Regelungen unumgänglich. Ein Verbot der umstrittenen Werkverträge ab Anfang 2021 ist im Gespräch. Hoffentlich erinnert man sich nach Corona noch daran.

Jetzt aber Kneipp: Vom rechten Maß und dem Fleischverzehr

In all der Aufgeregtheit dieser Tage erscheint Sebastian Kneipps Idee vom „rechten Maß“ ein wenig aus der Zeit gefallen. Sebastian Kneipp hat – zumindest aus heutiger Sicht – nie extreme Positionen vertreten. Allerdings war ihm auch damals das Aufeinandertreffen radikaler Haltungen nicht fremd: „Solange ich denke, besteht ein Streit unter Gelehrten und Nichtgelehrten, was vorzuziehen sei: der Genuß von Fleisch oder von Vegetabilien. Die Ansichten hierüber konnten sich nie vereinigen und haben sich stets unversöhnlich einander gegenübergestanden.“

Bekanntermaßen war Sebastian Kneipp Pfarrer und so erscheint es konsequent, wenn er auf den Plan Gottes verweist: „Hat der Schöpfer die Schöpfung für die Menschheit bestimmt, so soll man, was sie bietet, auch in vernünftiger Weise verbrauchen, sonst hätte derselbe es nicht erschaffen. Wozu wären so viele Tausende von Tieren (…) da, wenn sie nicht auch als Nährmittel der Menschen dienen und diese bloß Körner und andere Früchte und Pflanzen genießen sollten?“

Ein klarer Appell jedoch

Trotz seiner religiös begründeten Erkenntnis legt Sebastian Kneipp jedoch großen Wert darauf, nicht missverstanden zu werden: So geht er aus naturheilkundlicher Sicht davon aus, dass die vegetarische Kost grundsätzlich gesünder ist: „Aus dem Gesagten können wir den Schluß ziehen, dass der Genuß von Früchten und Pflanzen vorzuziehen sei und der Fleischgenuß hinter diesem zurückstehe. Da jedoch auch das Fleisch ein gutes Nahrungsmittel ist, so wird man am besten tun, neben den Vegetabilien auch dieses zur Speise zu wählen.“ Sowohl als auch, also. Aber Fleisch in Maßen eben. Ihre Planung für die nächste Grillparty muss also – je nachdem, wie Sie es bisher praktiziert haben – vermutlich nur geringfügig modifiziert werden: Natürlich können Sie Fleisch essen, aber bitte in „vernünftiger“ Menge und nicht vom Supermarkt, sondern aus dem qualifizierten Fachhandel. Dazu Gemüse (gegrillte Paprikaschoten, zum Beispiel: Lecker!) und idealerweise noch den ein oder anderen, frisch zubereiteten Salat. Dann haben Sie auf jeden Fall Kneipps Segen.

Peter Kaprolat ist als Redakteur und Ideengeber für Tourismusverbände, Reiseanbieter und Gesundheitsdienstleister tätig – unter anderem auch für die Kneipp Premium Class.
Mit seiner Kommunikationsagentur 7eins unterstützt er Unternehmen bei deren digitaler Ausrichtung.

Kategorie: Balance, TOP Themen
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