Heute schon performed?

Über Selfies, Schneewittchen und das Gleichgewicht

Sie stürzen von Berge, Brücken und Mauern – regelmäßig berichtet die Presse von tödlichen Selfie-Unfällen: Für die perfekte Selbstinszenierung scheint kein Risiko zu groß und dabei kommt es zu einem neuen Phänomen, für das es gleich auch schon den passenden Begriff gibt: „Selfiecide“ sagt man heute, wenn die Klippe direkt am Abgrund dann doch etwas zu glitschig war und der Fotograf beim ultimativen Schnappschuss das Gleichgewicht verliert …

Doch die Gefahr, in der modernen Selfie-Kultur aus dem Gleichgewicht zu geraten, liegt nicht allein im Unfallrisiko: Die von vielen Menschen subjektiv gefühlte Notwendigkeit, immer und überall perfekt zu „performen“ und dafür ein möglichst großes Publikum zu finden, macht es wirklich schwer, innerlich die Balance zu halten.

Vom Selbstbild zum Selfie

In der Prä-Smartphone-Epoche bezeichnete der Begriff „Selbstbild“ noch die Antwort auf die Frage „Wie sehe ich mich selbst?“ Das neudeutsche „Selfie“ hingegen vermittelt der Welt einen Blick von außen: Schaut her, so sehe ich aus! So möchte ich gesehen werden. Das Subjekt macht sich über das Selfie selbst zum Objekt, dessen Selbstwertgefühl dann von der Zahl der Likes abhängt, die Social-Media-Freunde zu geben bereit sind. Der Wettbewerb tobt: Wer erscheint attraktiver? Fitter? Erfolgreicher? Und wer ist am allercoolsten Ferienort? Lauter Varianten der klassischen Schneewittchenfrage:

„Wer ist die Schönste im ganzen Land?“

Im Zeitalter von Social Media sollte man jedoch – mit etwas Abstand – über einen Aspekt des Märchens noch einmal neu nachdenken: Wer von beiden verdient eigentlich mehr Mitgefühl – das schöne Schneewittchen oder die neidische Stiefmutter? Sicherlich, Eitelkeit ist eine unschöne menschliche Schwäche. Aber wer ist, mal ganz unter uns, so wirklich frei davon? Die arme böse Stiefmutter hat auf jeden Fall schwer unter ihr gelitten und handelte am Ende nur deshalb so fies, weil dieser unselige Spiegel ihre narzisstische Frage in gemeinster Weise oberflächlich und ziemlich unbarmherzig beantwortete.

Verfolgen wir diesen Gedanken zurück in die Gegenwart: Zwar gehören Königinnen, Prinzen und Zwerge nicht mehr zu unserer Lebenswelt – doch diese Spiegel sind noch immer da: Inzwischen heißen sie Facebook oder Instagram und geben Millionen von neugierig fragenden Nutzern die gleichen saudämlichen Antworten. Eigentlich muss man sich wundern, dass heute nicht viel mehr Äpfel vergiftet werden als zu Schneewittchens Zeiten.

Das Fazit: Finger weg von den Spiegeln – und zurück zum inneren Gleichgewicht!

Willkommen bei Kneipp: Schöner, fitter, produktiver – ja, mit Kneipp können sogar eifrige Selbstoptimierer der Generation Y glücklich werden, allerdings nicht im Sinne dieser Optimierungsratgeber: Vergessen Sie die ultimativen Tipps zum effektivsten Zeitmanagement, zur perfekten ToDo-Liste und zur allerneuesten Fitness-App – all diese wunderbaren Sachen, die Ihnen
noch bessere Chancen in der Konkurrenz um Job und Lebenspartner versprechen, aber Sie am Ende des Tages keinesfalls glücklicher oder zufriedener machen.

Freuen Sie sich vielmehr darauf, in einem unserer Kneipp-Orte ein paar Tage dem Stress und dem allgegenwärtigen Wettbewerb einmal zu entwischen und nicht mehr damit zu beschäftigen, wie die Welt Sie sieht und was sie von Ihnen erwarten könnte.

Dabei werden Sie eine großartige Entdeckung machen: Sich selbst, Ihre Empfindungen, Ihre Bedürfnisse. Ob Wasseranwendungen, Bewegung, Heilkräuter oder Ernährung – in der Kneipp-Welt haben Sie die Chance, Ihr inneres Gleichgewicht wiederzufinden und – das mag jetzt paradox klingen – ganz nebenbei auch fitter und leistungsfähiger zu werden. Vor allem dann, wenn dies eben nicht mehr Ihre erklärten Ziele ist.

Eine letzte Frage noch

Nehmen wir an, Sie machen tatsächlich einfach mal den Versuch, in einem unserer Orte der Kneipp-Premium-Class Ihr Leben neu zu entdecken. Dann könnte es natürlich passieren, dass Sie – zum Beispiel beim Wassertreten – auf einmal die Frage quält: „Kann ich hier denn jetzt ein Selfie machen?“ Auf jeden Fall. Das können Sie. Das Unfallrisiko ist äußerst gering und im schlimmsten Fall entgleitet Ihnen das Smartphone und landet, platsch, mitten im Becken. Sobald Sie dann nach dem ersten
Schrecken den Verlust überwunden haben, werden Sie mit einer ungeahnten Freude feststellen: Jetzt fängt die Erholung erst richtig an …

Redakteur
Peter Kaprolat

 

Kategorie: TOP Themen