Kneipp-Kräuterapotheke für den Balkon

Heilkräuter erfahren gerade ein Revival: In Workshops und Büchern wird vermittelt, was gegen welche Leiden hilft, wie wir Salben und Tinkturen selber herstellen können. Wissen, das schon Sebastian Kneipp zur Behandlung seiner Patient*innen anwendete. Und das Beste: Es braucht keinen riesigen Garten, um sich eine eigene Kräuterapotheke einzurichten.

„Ich habe die alten verlassenen und vergessenen Kräutlein wieder aufgesucht, habe ihre Heilkraft erprobt und manchen geheilt von schweren und langjährigen Leiden“, schreibt Kneipp in seinen Memoiren. Die Einsatzmöglichkeiten von rund 80 Heilkräutern hat er so getestet und für die Nachwelt festgehalten. Dabei ist er schon früh in die Pflanzenheilkunde eingeweiht worden, denn seine Mutter war im Heimatdorf für ihr Kräuterwissen bekannt.

Das Spannende: Als 1978 eine Kommission eingesetzt wurde, um die Wirkung pflanzlicher Arzneimittel zu bewerten, deckten sich deren Erkenntnisse weitestgehend mit den Beschrieben von Kneipp. Selbst wenn ihn diese offizielle Bestätigung seines Wissens wohl nicht sonderlich beeindruckt hätte, bieten die verfassten Monografien die Grundlage für die heutige Phytotherapie.

Seine Kräuter hegte und pflegte Kneipp im Klostergarten in Bad Wörishofen. Aber eine eigene kleine Kräuterapotheke lässt sich auch einfach und praktisch auf dem Balkon einrichten. Bereits jetzt im Februar oder März können Sie damit beginnen: Säen Sie die Samen in der Wohnung in Töpfen aus, so können die kleinen Pflänzchen nach den Eisheiligen im Mai ganztags nach draußen. Um die Samen zum Keimen zu bringen, sollten Sie sie an einen sonnigen Platz stellen und feucht halten. Eine Folie kann dabei helfen, ein optimales feucht-warmes Klima zu schaffen.

Auf dem Balkon muss beim Gießen zwischen mediterranen und anderen Kräutern unterschieden werden: Rosmarin, Thymian, Salbei und Co. mögen es eher trocken; die übrigen feucht, aber ohne Staunässe. Versehen Sie die Pflanzentöpfe also unbedingt mit Abflusslöchern und auf dem Boden ausgelegten Steinen.

Und welche Kräuter sollen in die Balkonapotheke? Fangen Sie am besten mit einem einfachen Grundstock an, den Sie nach Bedarf nach und nach erweitern können.

  • Basilikum als Tee ist gut für die Verdauung, stärkt die Nerven und hilft bei Migräne sowie bei Menstruationsbeschwerden und unregelmäßigen Blutungen. Fein zerriebene frische Blätter lindern zudem den Juckreiz von Insektenstichen.
  • Boretsch lässt sich ebenfalls als Tee aus getrockneten Blättern und Blüten nutzen. Er wirkt bei Fieber, fördert den Schlaf und reinigt das Blut. Zu viel sollte man aber nicht trinken, weil er in großen Mengen giftig wird. Äußerlich in Form von Umschlägen kann Boretsch auch zur Behandlung von Wunden, Ausschlägen und Ekzemen verwendet werden.
  • Gartenkresse enthält Vitamin C, regt den Appetit an und wirkt gegen Frühjahrsmüdigkeit.
  • Giersch ist als Unkraut verschrien, besitzt aber Heilkräfte gegen Rheuma und Gicht (als Tee mit frischen oder getrockneten Blüten oder frisch zerstoßen als Umschlag auf den betroffenen Körperstellen), gegen Hämorrhoiden (als Bad) und zur Entschlackung (frische Triebe als Salat).
  • Kamille wirkt beruhigend auf das ganze Nervensystem und bei Bauchschmerzen, aber auch bei Erkältung, Schnupfen und Halsschmerzen (Tee). Ein Dampfbad empfiehlt sich bei unreiner Haut und Nebenhöhlenentzündungen. Ein Sitzbad kann zudem Linderung bei Scheidenentzündungen bringen.
  • Kapuzinerkresse ist ebenfalls reich an Vitamin C und stärkt damit das Immunsystem, hilft gegen Husten und bei Erkältungen.
  • Lavendelblüten duften wunderbar und wirken gegen Blähungen und Stress. In Form von Öl hält Lavendel nicht nur Mücken und Motten fern, sondern ist auch antibakteriell und hilft bei Akne.
  • Melissentee am Abend hat eine beruhigende Wirkung und fördert entsprechend den Schlaf; am Morgen hingegen belebt er. Auch bei Fieber, Magenkrämpfen und Asthma wird Melisse als Tee eingesetzt. Umschläge sind wohltuend bei Insektenstichen, Blutergüssen oder Geschwüren.
  • Pfefferminze hilft unter anderem bei Magen-Darm-Problemen und Übelkeit. Kopfschmerzen können mit einem Stirnumschlag aus Tee gelindert werden. Und das ätherische Öl wirkt – indem man es inhaliert oder einreibt – bei Erkältungen.
  • Ringelblumen kennt man insbesondere als Salbe zur Behandlung von Wunden. Als Tee wirken sie zudem bei Verdauungs- und Menstruationsbeschwerden sowie bei Schwindel und Brechreiz.
  • Rosmarin stärkt als Tee den Blutdruck und das Nervensystem und lindert Kopfschmerzen.
  • Salbeitee wirkt gegen Heiserkeit, Husten und Halsentzündungen, fördert aber auch den Stoffwechsel und kann bei Gewichtsproblemen helfen. Zudem empfiehlt sich Salbei (als Tee oder Bad) für Menschen, die stark schwitzen. Ätherisches Öl kann äußerlich zur Wundheilung und bei Rheuma angewendet werden.
  • Thymian stärkt unter anderem die Leber und hilft gegen Sodbrennen, aber auch bei Husten und Verdauungsproblemen. Er kann den Eisprung anregen und soll auch bei einem Kater nach durchzechter Nacht Abhilfe schaffen. Äußerliche Anwendung findet Thymian als Aufguss z. B. bei Schnitzverletzungen oder anderen Wunden, Pickeln, Furunkeln oder Ekzemen.

Welches sind Ihre Heilkräuter-Lieblinge auf dem Balkon? Teilen Sie Ihre Erfahrungen gerne mit uns.

Bettina Bichsel schreibt und bloggt rund um Medizinisches, Gesundes und Kneipp-Spezifisches. Daneben arbeitet die diplomierte Journalistin als Texterin, Kommunikationsexpertin und Coach.