Honey, Honey

Über ABBA, Kneipp und die Heilkraft des Honigs

Schon klar: Selbstverständlich ist „Honey, Honey“, ABBAs Superhit aus den 70ern, keine Liebeserklärung an das Bienenerzeugnis, sondern Ausdruck der Schwärmerei für den Liebespartner, der im Englischen des Öfteren gleichlautend benannt wird. Dabei hätte das Lebensmittel aus Blütennektar durchaus auch einmal eine schwärmerische Hymne verdient. Sebastian Kneipp würde es, zumal er sich als Pfarrer mit Liebesbeziehungen vermutlich nicht so gut auskannte, garantiert genauso gesehen.

Was kaum einer weiß: Kneipp betrieb selbst eine eigene kleine Bienenzucht und schrieb sogar das Bienenbüchlein „Eine einfache Anleitung zur Verbesserung der Bienenzucht in Körben und Kästen besonders für Anfänger“.
Sebastian Kneipp schätzte Honig wegen seiner Wirksamkeit* insbesondere bei Husten und der Behandlung von Wunden: „Ich habe den Honig vielfach verwendet und stets gefunden, daß er von vorzüglicher Wirkung ist. Er wirkt lösend, reinigend, stärkend.“

Hustensaft selbst machen – natürlich mit Honig

Dass Honig schleimlösend wirkt und bei gereizten Bronchien Linderung verschafft, bemerkt jeder, der seinen Tee mit ein, zwei Teelöffeln Honig süßt. Ein nahezu unschlagbares Hausmittel ist Hustensaft, den Sie mit einer Zwiebel und Honig ganz leicht herstellen können: Vermengen Sie eine kleingehackte Zwiebel in einer Tasse mit zwei Esslöffeln Honig und lassen Sie dieses Gemisch ein paar Stunden oder idealerweise über Nacht ziehen. Gießen Sie den Saft ab und nehmen Sie davon in kurzen Abständen einen Teelöffel. Der Geschmack ist, zugegeben, etwas gewöhnungsbedürftig – der Effekt jedoch beeindruckend!

Mit Honig Wunden heilen

Bereits im Mittelalter wurde Honig auch zur Behandlung von Geschwüren und offenen Wunden genutzt und auch Sebastian Kneipp empfahl, „für äußere Geschwüre die Honigsalbe anzuwenden.“ Mittlerweile bestätigt auch eine wissenschaftliche Studie die Wirksamkeit von Honig bei chronisch offenen, schwer verheilenden Wunden. Dr. Bahram Bilgari, Chefarzt der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Ludwigshafen, begleitete die Studie in leitender Funktion und fand seine mehrjährige Erfahrung bestätigt: „… selbst große Wunden, die man vorher nur schwer in den Griff bekommen hat, heilen zuverlässig.“

Auch wenn Kneipp in seinem Werk ein Rezept zur Herstellung einer Honigsalbe bereithält, ist von dieser DIY-Medizin aus heutiger Sicht eher abzuraten. Ungleich effektiver und sicherer ist die Verwendung von medizinischem Honig, der im Gegensatz zu anderen Produkten nach einer Behandlung mit Gammastrahlen völlig keimfrei ist. Er wird aus australischen und neuseeländischen Honigsorten produziert, die anders als der heimische Honig die äußerst wirksamen bakterientötenden Substanzen Wasserstoffperoxid und Methylglyoxal enthalten.

Honig ist nicht gleich Honig – schauen Sie genau hin!

Wenn Sie Honig als Süßmittel oder als Brotaufstrich genießen und dabei von seinen Nährstoffen profitieren möchten, sollten Sie beim Kauf auf Folgendes achten:

1. Regional statt international
Kurze Transportwege und in der Regel ohne Einflüsse von gentechnisch behandelten Pflanzen: Wenn Sie (idealerweise: Bio-)Honig von einem deutschen Imkereibetrieb erwerben, sind Sie auf der sicheren Seite.

2. Glas statt Plastik
Honig im Glas ist ohne Frage ökologischer als solcher in einer Plastikverpackung. Zudem können Sie ausschließen, dass der Honig Giftstoffe aus dem Kunststoffgefäß aufnimmt.

3. Eher trüb statt klar
Honig wird zumeist erst durch die Homogenisierung klar. Geschieht dies mit einer behutsamen Erwärmung, bleiben die wertvollen Inhalte weitgehend unversehrt. Wird Honig jedoch stark erhitzt, bleibt er zwar länger flüssig, verliert jedoch nahezu alle Nährstoffe. Wie die Homogenisierung erfolgte, lässt sich optisch nicht unterscheiden.

Zum guten Schluss: Fit wie die alten Germanen – Honigwein als Zaubertrank

Grundsätzlich stand Sebastian Kneipp alkoholischen Getränken zumindest aus medizinischer Sicht sehr skeptisch gegenüber und bevorzugte bekanntermaßen Wasser. Für Honigwein begeisterte er sich jedoch so sehr, dass er seinen Leser das Geheimnis seiner Herstellung verriet und dies mit folgenden Worten einleitete: Die Germanen „erreichten ein hohes Alter und erfreuten sich einer außerordentlichen Gesundheit. Dieses hohe Alter und diese außerordentliche Gesundheit schrieben sie dem Met (Honigwein) zu. Es ist nur schade, daß dieses edle Getränt so wenig bekannt (…) ist.“

* Noch ein Hinweis zu Ihrer Sicherheit:
Allergiker sollten Honig mit Vorsicht genießen und zumindest eine medizinische Anwendung von Honig oder Honigprodukten mit Ihrem Arzt besprechen. Für Kleinkinder bis zu einem Jahr und Säuglinge ist Honig auch zum Süßen absolut tabu! Die im Honig häufig enthaltenen Clostridium-Bakterien werden erst vertragen, wenn nach dem ersten Lebensjahr die Darmflora voll entwickelt ist.

 

Peter Kaprolat ist als Redakteur und Ideengeber für Tourismusverbände, Reiseanbieter und Gesundheitsdienstleister tätig – unter anderem auch für die Kneipp Premium Class.
Mit seiner Kommunikationsagentur 7eins unterstützt er Unternehmen bei deren digitaler Ausrichtung.

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