Die Kunst, eine Pause zu machen - Leben im Hier & Jetzt nach Kneipp: Achtsamkeit, Auszeit, Entspannung für Körper, Geist & Seele

Die Kunst, eine Pause zu machen

Über Malzbier, Kekse und die Achtsamkeit

„Kommt Jungs! Pause!“ So rief seinerzeit Franz Beckenbauer seine jungen Kicker zusammen, um ihnen ein malzhaltiges Kaltgetränk zu empfehlen. Wenn man die Formulierung „Morgens halbzehn in Deutschland“ hört, weiß nahezu jeder, dass damit erstens eine Pause gemeint ist, in der man zweitens, der Werbung folgend, idealerweise eine gewisse Waffelschnitte verspeisen sollte. „Mach mal Pause“ heißt auch eine Rätselzeitschrift und all diese Beispiele machen deutlich: Es scheint kaum möglich, eine Pause einzulegen, ohne sie direkt wieder mit einem Getränk, einem Keks, einer Zigarette, einem Kreuzworträtsel oder irgendetwas anderem zu füllen.

Vorbilder für Pausen, die gemäß der eigentlichen Wortherkunft zur „Ruhe“ und zum „Innehalten“ genutzt werden, sind dagegen wenig bekannt. Eine Ausnahme bildet Heinrich Bölls Kurzgeschichte „Doktor Murkes gesammeltes Schweigen“: Der Rundfunkredakteur Murke fügt Bandschnipsel von herausgeschnittenen Redepausen zu einer neuen Aufnahme zusammen, die er sich dann nach Feierabend zur Erholung anhört. Was für eine geniale Idee, direkt aus der medialen Geschwätzigkeit eine Oase der Stille zu generieren!

Die achtsame Pause: Zurück in die Gegenwart!

Eine wirklich echte, richtige Pause zu machen, eine, die im alltäglichen Stress die innere Balance zurückbringt, ist leichter gesagt als getan. Auch bei einer Unterbrechung des Arbeitsablaufs rasen wieselflinke Gedanken einfach weiter: Vom Kundengespräch am Morgen zu dem eben beendeten Telefonat, dann zum gleich bevorstehenden Termin und schließlich zu den ganzen E-Mails, die später noch beantwortet werden müssen – das Ganze unterbrochen nur vom Smartphone, auf dem gerade – Pling – eine neue Kurznachricht eintrifft … Die Kunst der Pause liegt in der Fähigkeit zum Abschalten: Der Weg zur erholsamen Auszeit führt über die Achtsamkeit und diesen kurzen Moment, der zwischen Vergangenheit und Zukunft liegt: die Gegenwart.


Drei Tipps, um die Ruhe im Hier und Jetzt zu erleben

Achtsamkeit ist die Fähigkeit, den Augenblick so bewusst und unmittelbar wie möglich wahrzunehmen und ohne Bewertung zu akzeptieren. Einen leichten Zugang zu dieser bewussten Wahrnehmung finden Sie über Ihren Atem, Ihre Sinne und Ihre Muskeln:

Übung 1: Einfach mal durchatmen …
Konzentrieren Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Ihren Atem, ohne ihn zu beeinflussen. Spüren Sie, wie er beim Einatmen durch die Nase, die Luftröhre, die Brust bis in den Bauchraum fließt, bis sich die Bauchdecke hebt. Atmen Sie durch den Mund aus und stellen Sie sich vor, wie Sie dabei eine Kerze auspusten. Nach ein, zwei Minuten kommt die Entspannung ganz von selbst.

Übung 2: Hören, sehen, riechen, tasten, schmecken
Nehmen Sie sich etwas Zeit für Ihre Sinne, und versuchen Sie, alle momentanen Eindrücke bewusst wahrzunehmen. Am besten funktioniert das, wenn Sie sich jeden Sinn einzeln vornehmen: Was hören Sie? Was sehen Sie? Was spüren Sie an Ihrer Hand? Welcher Geruch dringt gerade in Ihre Nase? Haben Sie einen bestimmten Geschmack im Mund?

Übung 3: Anspannen – entspannen
Machen Sie einfach mal ganz bewusst genau das, was – vor allem in „angespannten“ – Situationen unbewusst von ganz allein geschieht: Spannen Sie einzelne Körperregionen beziehungsweise Muskelgruppen (Beine, Arme, Nacken, Bauch, Rücken usw.) für zirka 10 Sekunden gezielt an und lassen Sie dann wieder los. Achten Sie dabei auf die Empfindungen, die mit den Zuständen „Anspannung “und „Entspannung“ einhergehen.


Zum guten Schluss: Nichts gegen Malzbier!

Nach Kneipp gibt es kein Lebensmittel, das per se gut oder schlecht wäre. Wie bei der Bewegung geht es auch bei der Ernährung immer nur darum, das richtige Maß zu finden. Sofern also am Anfang des Textes ein gegenteiliger Eindruck entstanden sein sollte, wollen wir das hier richtig stellen: Selbstverständlich sind Malzbier und erholsame Pausen durchaus miteinander vereinbar! Genießen Sie das Getränk jedoch am besten achtsam mit allen Sinnen, nehmen Sie die Muskeln wahr, die für den Trinkvorgang gebraucht werden, und freuen Sie sich über den gelöschten Durst mit einem entspannten „Aaaaaah!“

Peter Kaprolat ist als Redakteur und Ideengeber für Tourismusverbände, Reiseanbieter und Gesundheitsdienstleister tätig – unter anderem auch für die Kneipp Premium Class. Mit seiner Kommunikationsagentur 7eins unterstützt er Unternehmen bei deren digitaler Ausrichtung.