Auszeit für pflegende Angehörige in der Coronazeit | Jetzt bin ich dran: Zeit für mich… zum Blogartikel

Jetzt bin ich dran – Auszeit für pflegende Angehörige

Die Zahl der auf Pflege angewiesenen Menschen steigt in Deutschland Jahr für Jahr. Aktuell leben hierzulande circa 3,41 Millionen Pflegebedürftige – davon werden rund 75% (2,59 Millionen) ausschliesslich von Angehörigen zu Hause betreut. Und das ist kein Nebenjob. Vielmehr handelt es sich bei der häuslichen Pflege um eine anstrengende 24-Stunden-Schicht an sieben Tagen in der Woche, die den pflegenden Angehörigen enorm viel an Kraft und Zeit abverlangt. Doch wer es schafft, für sich kleine Fluchten einzuplanen, ist für diese kräftezehrenden Anforderungen langfristig gut gewappnet.

Einsatz auf hohem Niveau
Doch wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Auszeit? Spätestens dann, wenn man merkt, dass es an die Reserven geht. Denn nur wer auch mit sich selbst sorgsam umgeht, bleibt körperlich und seelisch gesund und wird auch über einen längeren Zeitraum den Pflegeeinsatz auf hohem Niveau halten können.

In Balance kommen
Leben im Gleichgewicht ist ein wesentlicher Baustein der Kneipp’schen Ganzheitstherapie und gerade in der häuslichen Pflege von essenzieller Bedeutung. Häufig verliert man im stressigen Alltag seine eigenen Bedürfnisse schnell aus den Augen – doch genau das ist der falsche Weg. Um leistungsfähig zu bleiben, muss man selbst regelmässig entspannen – körperlich und seelisch. Die Pausen in der täglichen Pflegeroutine sollte man sich bewusst vornehmen – beispielsweise wenn der Pflegebedürftige schläft. Anstatt währenddessen zu putzen, einzukaufen oder die Wäsche zu waschen, sollte man es sich auf dem Sofa gemütlich machen – und einfach nichts tun. Bereits einige Minuten spenden Kraft und neue Vitalität. Wichtig: Die Pause sollte komplett von Ruhe und Stille geprägt sein. Wer mag, kann seine Lieblingsmusik hören, das senkt den Stresshormonspiegel.

So reagiert der Körper nach einer Entspannungsrunde
„Im gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist“ heisst es. Und so ist es: Unser körperliches und seelisches Wohlbefinden sind eng miteinander verbunden: Je wohler und entspannter man sich körperlich fühlt, desto wohler fühlt sich auch die Seele und umgekehrt. Eine regenerierende Pause hat somit direkte Auswirkungen auf:

Gehirn: Gehirnwellen passen sich dem jeweiligen Stresspegel an: Während in kraftzehrenden Situationen die Beta-Wellen dominieren, wechselt das Gehirn bei Entspannung in die Alpha-Wellen.

Muskeln: Die Muskeln sind in permanenter Grundspannung. Während der Entspannungsphase nimmt diese Anspannung spürbar ab.

Atmung: Die Atmung wird tiefer, ruhiger und regelmässiger.

Puls: Da der Körper im Ruhezustand weniger Sauerstoff verbraucht, reduziert sich der Pulsschlag und wird langsamer, der Blutzucker sinkt.

Herz: Das Herz beruhigt sich, schlägt langsamer, der Blutdruck normalisiert sich, das Risiko für Herzrhythmusstörungen oder einen Infarkt sinkt.

Entspannungs-Tipps für ein Mini-Wellnessprogramm

  • Ein Vollbad mit harmonisierendem Aromaöl – zum Beispiel mit Lavendelduft, Rose oder Orange. Diese wirken nachgewiesen beruhigend. Rosmarin- oder Eukalyptusöl dagegen verwöhnen strapazierte Füße.
  • Ein Snack zwischendurch – ein Eis, frisch gepresster Saft oder ein Stück Kuchen tun der Seele gut. An einem ruhigen Platz auf dem Balkon oder auf dem Sofa kann man es sich mit einem guten Tee oder Kaffee schmecken lassen – in Ruhe bewusst genießen und dabei einmal die Füße hochlegen.
  • Hobbies pflegen – auch diesen Anspruch sollten man für sich erheben. Als pflegender Angehöriger hat man zumeist keine Zeit für Hobbies. Doch diese ganz persönlichen Energiequellen sind wichtig, damit man sich im anstrengenden Pflegealltag nicht selbst verliert. Solche geliebten Tätigkeiten tragen enorm zur Entspannung bei, was wiederum zu Stressabbau und Ausgeglichenheit führt. Diese Auszeit nach der Pflege sollte man sich aufgrund von Zeitmangel nicht nehmen lassen.
  • Eigenen Stärken und auf positive Erlebnisse wertschätzen: Sich selbst einmal für das, was man an diesem Tag alles an Leistungen erbracht hat, loben und das Positive in den Vordergrund stellen – das motiviert für den nächsten Tag und sorgt für ein gutes Gefühl. Wer gerne Tagebuch führt, kann die schönen Momente schriftlich festhalten.
  • Freundschaften pflegen – ein Telefonat mit einer vertrauten Person und es geht mit der Stimmung gleich wieder aufwärts. So ist der Stress für einen Moment vergessen und fühlt man sich gestärkt für den Rest des Tages.

 

Eva Tesar hat in Göttingen Philologie studiert. Seit über 20 Jahren arbeitet sie als selbständige Journalistin und PR-Expertin für Tourismus, Hotellerie, Gesundheit, Gourmet und Lifestyle. Eva Tesar lebt in Hamburg-Rotherbaum und arbeitet auch als Kommunikationscoach.