Superfood Beeren Blaubeeren

Superfood? Den kannte schon Kneipp

Gojibeeren, Spirulina, Chiasamen – Superfood gilt heute als das Maß aller Dinge, wenn es um gesunde Ernährung geht. Meist kommen die Nahrungsmittel allerdings von weit her. Und das muss gar nicht sein. Denn wie so oft gilt auch bei der Ernährung: Das Gute liegt so nah.

Superfood liegt im Trend. In hippen Cafés stehen Smoothies mit Açai-Beeren, Matcha und Weizengras im Angebot. In Ernährungsblogs und YouTube-Videos wird über die Vorzüge und Einsatzmöglichkeiten von Spirulina, Moringa und Papaya berichtet. Nahrungsmittel, die als Superfood bezeichnet werden, sollen besonders reich an Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen oder Antioxidantien sein. Eine fachlich verbindliche Definition oder gar eine offizielle Klassifizierung gibt es allerdings nicht.

Und das Europäische Informationszentrum für Lebensmittel (EUFIC) attestiert zwar, dass „wissenschaftliche Studien oft positive gesundheitliche Wirkungen ergeben“, gibt aber gleichzeitig zu bedenken, dass Untersuchungen angesichts der Komplexität des Menschen in Bezug auf Lebensstil, Gene und Ernährungsweisen schwierig und entsprechend verallgemeinernde Schlussfolgerungen mit Vorsicht zu betrachten seien. Hinzu kommt, dass die gesundheitsfördernde Wirkung von Superfood meist mit dem Verzehr größerer Mengen verbunden ist. Und da ein Lebensmittel immer aus einem Komplex verschiedener Nährstoffe besteht, kann dies auch kontraproduktiv sein. Das EUFIC nennt als Beispiel Kakao, dessen hoher Gehalt an Flavonoiden blutdrucksenkend wirken soll. Man muss allerdings kein Ernährungsexperte sein, um zu verstehen, dass ein Zuviel an Schokolade nicht empfehlenswert ist.

Goldene Regel: pflanzlich, frisch, regional

Aber was wird denn in Sachen gesunder Ernährung empfohlen? Das EUFIC liefert dazu eine einfache Antwort: „Ein abwechslungsreicher Speiseplan, der aus nahrhaften Lebensmitteln und viel Obst und Gemüse besteht, ist immer noch die bestmögliche Art, eine ausgewogene Nährstoffaufnahme für optimale Gesundheit sicherzustellen.“ Die Lebensmittelpyramide, wie wir sie noch von früher kennen, deckt sich mit dieser Zusammenfassung. Und auch Sebastian Kneipp hatte seinerseits dieselben Tipps parat: Wenig Tierisches, dafür viel Gemüse, Obst und andere pflanzliche Produkte. Von Verboten hielt Kneipp nichts, aber Maßhalten war für ihn das A und O. Zudem sollten die Speisen möglichst frisch sein – entsprechend auch regional und saisonal eingekauft.

Natur als Apotheke

Der Idee von Superfood hätte Kneipp erstens insofern etwas abzugewinnen vermocht, als ihm Ganzheitlichkeit immer wichtig war. Und zweitens, weil die Natur für ihn seit jeher die beste Apotheke war.

Wer sich also mit Superfood Gutes tun möchte, wird auch hierzulande fündig, zum Beispiel mit:

  • Beeren: Als Alternativen zu Goji- oder Açai-Beeren bieten sich Heidelbeeren, Brombeeren, Holunder, schwarze Johannisbeeren und Kirschen an. Sie alle sind reich an Vitaminen und Mineralstoffen und enthalten darüber hinaus sogenannte Anthocyane – erkennbar an ihrer blauvioletten Farbe. Bei Letzteren handelt es sich um sekundäre Pflanzenstoffe, denen eine antioxidative Wirkung nachgesagt werden.
  • Brennnessel: Ja, sie stechen. Aber davon abgesehen lässt sich nicht viel gegen Brennnesseln sagen. Sie enthalten überdurchschnittlich hohe Mengen an Eisen und Vitamin C, aber auch andere wertvolle Stoffe wie Folsäure, Kalium oder Serotonin (Glückshormon). Sie reinigen und entschlacken, kurbeln den gesamten Stoffwechsel an, stärken das Immunsystem und wirken entzündungshemmend. Die beste Wirkung entfalten sie, wenn sie direkt nach dem Pflückend verarbeitet werden, als Tee, Suppe oder auch als Salat. Damit die Blätter nicht die Mundschleimhäute beeinträchtigen, walzt man sie mit einem Nudelholz. So werden die Härchen gebrochen.
  • Hirse: Das eher in Vergessenheit geratene Getreide liefert viel pflanzliches Eiweiß, Eisen, sättigende Kohlenhydrate, aber auch viele Nährstoffe wie Silizium und Magnesium. Zudem ist Hirse glutenfrei.
  • Leinsamen: Ballaststoffe, Omega-3-Fettsäuren, Proteine und Calcium – alles gute Gründe, um Leinsamen vermehrt in die eigene Küche zu integrieren, sei es als Öl, im Müsli oder beim Backen.
  • Löwenzahn: Die strahlend gelben Blüten sollten nicht nur Insekten anlocken. Denn Löwenzahn ist voll von Bitterstoffen, die entgiften und den Stoffwechsel anregen. Außerdem liefert er Vitamin C, D und K sowie Kalium, stärkt Leber und andere Organe und kann rheumatische Beschwerden lindern. Die Blätter schmecken als Salat oder Tee. Und auch die Blüten sind essbar oder zu Honig verarbeitbar.
  • Rote Bete: Das Wurzelgemüse besticht als Lieferant von Beta-Carotin, Folsäure und Betain, das zur Serotoninbildung benötigt wird. Vitamin C, Selen und Zink sind außerdem hilfreich für ein starkes Immunsystem.
  • Walnüsse: Sie liefern ebenso wertvolle Nährstoffe wie Para- oder Macadamianüsse, insbesondere B-Vitamine, Cholin und Lecithin. Letztere sind insbesondere für unser Gehirn und das Nervensystem wichtig. Darüber hinaus enthalten Walnüsse gesunde Fette.

Superfood muss also weder exotisch noch teuer sein. Manchmal wächst er sogar direkt vor unserer Tür.

Bettina Bichsel schreibt und bloggt rund um Medizinisches, Gesundes und Kneipp-Spezifisches. Daneben arbeitet die diplomierte Journalistin als Texterin, Kommunikationsexpertin und Coach.

Kategorie: Ernährung
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