Wo ist der Silberstreif am Horizont?

Über Corona, Donald, Jogi, das Licht und die Wintersonnenwende

Man muss kein Prophet sein, um zu vermuten, dass dieses allmählich dem Ende entgegengehende Jahr 2020 nur bei recht wenigen Menschen in guter Erinnerung bleiben wird. Und jetzt, in der dunklen Jahreszeit, gesellt sich zum Dauerthema Corona und dem unsäglichen Donald auch noch der Winter-Blues hinzu. Zudem – als wäre es noch nicht betrüblich genug – gibt sich Covid-19 offenbar alle Mühe, uns auch noch die Vorfreude aufs Weihnachtsfest zu vermiesen. Menschen, die zu depressiven Verstimmungen tendieren, liefert dieses Jahr nun wirklich reichlich Stoff. Dabei wollen wir über das kürzliche Abschneiden von Jogis Nationalelf gar nicht erst reden. (Oder doch: Was ist eigentlich schlimmer: Ein 0 : 6 oder ein 1 : 7, wie es Brasilien ertragen musste?) Aber egal. Auf jeden Fall haben es nicht nur chronische Pessimisten, sondern auch notorische Optimisten momentan nicht leicht und verdienen etwas Unterstützung. Wir versuchen uns daran.

Viele fragen sich, wann der so oft zitierte Silberstreif nun endlich am Horizont erscheint. Beten könnte helfen, die Zeit bis dahin zu überbrücken. Doch diese Möglichkeit, Weltschmerz und anderes Leid zu lindern, ist nur religiösen Menschen vorbehalten. Und richtig ist auch, dass noch nicht einmal die Lehre Sebastian Kneipps an äußeren Umständen wie dunklen Jahreszeiten oder dem Weltgeschehen etwas ändern kann. Wo ist er also, dieser Lichtblick, nach dem sich viele von uns sehnen? Wir sind beim Thema.

Licht als Lebenselixier

Direkt zu Beginn seines Werkes „Meine Wasserkur“ spricht Sebastian Kneipp „von den Vorbedingungen der Gesundheit und den Mitteln zu ihrer Erhaltung“ und widmet dabei dem Thema „Licht“ ein ganzes Kapitel. „Betrachte man nur eine Pflanze, die an einem dunklen Orte oder im Keller gewachsen ist, wo nur spärliches Licht hindringen konnte! Sie sieht ganz verkümmert aus, blaß ist die Farbe, ungenießbar sind die Früchte, und wie leicht verwelkt sie! Wenn das Licht eine solche Macht ausübt, warum sollte es nicht auch besondere Einwirkungen auf den menschlichen Körper und Geist haben?“ Rund 20 Prozent der Deutschen leiden in den dunklen Herbst- und Wintermonaten unter Symptomen wie Antriebslosigkeit, einem größeren Bedürfnis nach Schlaf bis hin zu depressiven Verstimmungen. Mittlerweile weiß auch die Wissenschaft, warum fehlendes Licht sich negativ auf körperliche Prozesse auswirkt. Zum einen produziert der Körper weniger „Glückshormone“ wie zum Beispiel den Botenstoff Serotonin. Zum anderen sorgt die verstärkte Ausschüttung des Hormons Melatonin für Müdigkeit. Darüber hinaus kann es zu einem Vitamin-D-Mangel kommen, was häufig zu Abgeschlagenheit, Sehschwächen und Nervosität führt. Wenn dann noch aufgrund von Corona-Maßnahmen massive Einschnitte in das soziale Leben hinzukommen, muss man schon eine wahre Frohnatur sein, um gut gelaunt durch diese Zeit zu kommen.

Was man tun kann: Bewegung und Lichttherapie

„Es läßt sich mit Recht behaupten, daß Helle und Sonnenlicht sehr dazu beitragen, eine gute Stimmung im Menschen hervorzubringen, somit auf Geist und Körper wesentlich einwirken.“ Wie damals schon Kneipp empfiehlt auch die heutige Medizin, sich möglichst oft im Tageslicht an der frischen Luft zu bewegen, um die Gesundheit von Körper und Geist zu erhalten und größere Stimmungsschwankungen zu vermeiden. Neben dem natürlichen Licht, dass sogar an grauen Novembertagen immerhin 5- bis-6-fach stärker ist als in Innenräumen, tragen auch die Bewegung an sich und die erhöhte Sauerstoffzufuhr zum Wohlbefinden bei. Wenn dies noch nicht ausreicht, lassen sich Körper und Seele zusätzlich mit einer Lichttherapie ein wenig austricksen: Tageslichtlampen, die im Handel erhältlich sind, haben eine Lichtstärke von 10.000 Lux und ermöglichen, die dunklen Wintertage künstlich zu erhellen. Die Wirksamkeit einer solchen Lichttherapie ist mittlerweile auch wissenschaftlich bewiesen. Allerdings sollte man sich vor der Anwendung von einem Augenarzt beraten lassen, da bei einigen Augenkrankheiten das künstliche Tageslicht schädlich wirken kann.

Warum wir uns aber doch ein bisschen auf Weihnachten freuen können

Verbindliche Zukunftsprognosen werden zwar von Wissenschaftlern im Allgemeinen abgelehnt, doch mindestens eine konkrete Vorhersage ist seriös möglich: In diesem Jahr vollzieht sich in unseren Breitengraden am Montag, dem 21. Dezember, um 11:02 Uhr die Wintersonnenwende – der Augenblick also, ab dem die Tage wieder länger werden! Dieses Ereignis haben übrigens – neben anderen Völkern – bereits die alten Germanen gefeiert. Und dass dieser Tag zeitnah am Weihnachtsfest liegt, ist kein Zufall: Wie andere Religionen haben auch die Christen schon lang bestehende „heidnische“ Kultplätze und Bräuche wie das Sonnenwendfest umgewidmet und an den eigenen Glauben angepasst. So wurde aus der germanischen Feier der Wintersonnenwende, die nach dem damals gültigen Julianischen Kalender übrigens zumeist auf den 25. Dezember fiel, ganz einfach das christliche Weihnachtsfest. Christen und Nicht-Christen können sich also schon einmal mindestens darauf freuen, dass es ab Weihnachten wieder heller wird und die Sonne Tag für Tag mehr Licht ins winterliche Dunkel bringt! In diesem Sinne wünschen wir allen Lesern dieser Zeilen trotz aller Widrigkeiten ein schönes Fest! Bleiben Sie gesund!

 

Peter Kaprolat ist als Redakteur und Ideengeber für Tourismusverbände, Reiseanbieter und Gesundheitsdienstleister tätig – unter anderem auch für die Kneipp Premium Class.
Mit seiner Kommunikationsagentur 7eins unterstützt er Unternehmen bei deren digitaler Ausrichtung.