Lerche oder Eule – ist unsere biologische Uhr genetisch festgelegt?

Die Antwort vorweg: Ja. Der sogenannte Chronotyp – ob man also ein Früh- oder Spät-Aufsteher ist – ist genetisch festgelegt und nicht veränderbar. Laut Studien zählen rund 60 Prozent aller Menschen zum Schlaf-Normaltyp – ihr Schlafrhythmus liegt also irgendwo zwischen den beiden Extrem-Varianten – und ca. 40 Prozent zum Team der morgens putzmunteren Lerchen oder der nachtaktiven Eulen.

Bereits vor mehr als 100 Jahren hat man die Menschen in Lerchen und Eulen eingeteilt: Lerchen stehen früh auf und sind topfit, abends dafür früh müde. Eulen hingegen stehen gerne spät auf, starten jedoch auch am späten Abend noch einmal durch und können sich selbst auf anspruchsvolle Tätigkeiten konzentrieren.

Der Schlaftyp verändert sich im Laufe des Lebens. Kinder und alte Menschen stehen gerne früh auf und gehören zu den Lerchen. In der Pubertät – zwischen 12 und 14 Jahren – verwandeln sich die Jugendlichen schnell von Lerchen zu Eulen. Und während man als genetisch festgelegte Lerche noch mit Anfang Zwanzig die Nacht zum Tag macht, geht der Biorhythmus Ende Zwanzig wieder in Richtung Lerche.

Mit dem Einfluss des Chronotyps auf unser Leben beschäftigen sich zahlreiche wissenschaftliche Studien: So sind beispielsweise Langschläfer schlechter in der Schule – eine halbe Note sind die Lerchen besser. Das hat mit dem Schulsystem zu tun: Lerchen haben schlicht das Glück, dass sie zu jener Tageszeit ihre Leistungen bringen müssen, wenn sie fit und munter sind. Die schlechteren Noten in der Schule sind also nicht zwingend die Folge von Intelligenz oder Disziplin, vielmehr vom Schlaftyp. Jedoch setzt sich diese Tendenz während des Studiums fort und kann für Langschläfer nachhaltig zum Problem werden. Interessant ist auch die Tatsache, dass weibliche Eulen-Jugendliche im Vergleich mit den Lerchen mehr Zeit mit ihrem Handy verbringen und weniger sportlich aktiv sind.

Treffen im Alltag beide Typen aufeinander, so kann es durchaus zu Herausforderungen führen. Bei der Partnerwahl werden daher Menschen mit ähnlichem Schlafverhalten bevorzugt, Lerchen sind somit mit Lerchen kompatibler. Ausserdem gehören Frauen eher zu dem Frühaufsteher-Typ – tendieren dafür jedoch zum Morgenmuffel und glänzen mit einer Null auf der Gute-Laune-Skala.

Generell sollte man sich das Aufstehen so einfach wie möglich machen. Unsere fünf Tipps, wie Sie (vor allem als moderate Eule) morgens leichter aus den Federn kommen:

1. Stellen Sie Ihren Wecker so weit von Ihrem Bett entfernt, dass Sie morgens automatisch aufstehen müssen, um den Weckton auszuschalten.

2. Das Tageslicht stellt unsere innere Uhr auf „wach“. Wenn es morgens früh genug hell wird, lassen Sie Jalousien oder Vorhänge oben, damit Sie von der Sonne direkt geweckt werden. Das Weiterschlafen ist dann nicht mehr so einfach.

3. Gehen Sie morgendliche Verpflichtungen ein: Verabreden Sie sich vor der Arbeit oder vor der Uni zum Joggen oder lassen Sie sich von Kollegen, Freunden oder Kommilitonen anrufen. Auch hier gilt: Das Handy weit weg aber in Hörweite vom Bett platzieren.

4. Bereiten Sie abends Ihr Equipment für den Morgen vor: Legen Sie Ihre Kleidung bereit, decken Sie den Tisch, bereiten Sie die Kaffeemaschine so vor, dass Sie nur noch den Knopf drücken müssen – der Kaffeeduft wirkt Wunder.

5. Belohnen Sie sich: Jedesmal, wenn Sie es geschafft haben, pünktlich aufzustehen, tun Sie sich Gutes: Holen Sie sich Ihr Lieblingscroissant oder ein frisches Brötchen beim Bäcker oder gönnen Sie sich einen Latte macchiato mit richtig viel Milchschaum – ein perfektes Konditionierungs-Modell für das frühe(re) Aufstehen.

Übrigens: In Richtung Äquator gibt es mehr Lerchen als Eulen.

Eva Tesar hat in Göttingen Philologie studiert. Seit über 20 Jahren arbeitet sie als selbständige Journalistin und PR-Expertin für Tourismus, Hotellerie, Gesundheit, Gourmet und Lifestyle. Eva Tesar lebt in Hamburg-Rotherbaum und arbeitet auch als Kommunikationscoach.