Über Salbei und den Abschied vom Rosmarin

Von Familienangelegenheiten und einem Rezept zur Versöhnung

2020 war auch für den Rosmarin kein gutes Jahr. Und nein – das hat ausnahmsweise mal nichts mit Corona zu tun. Ursache waren vielmehr Wissenschaftler, die nach gründlichen DNA-Analysen eine bislang verborgen gebliebene, aber äußerst enge Verwandtschaft zwischen Salbei und Rosmarin feststellten, die ursprünglich in zwei Gattungen unterteilt waren. Die Konsequenz: Im „Plantfinder“, dem Duden der botanisch Gelehrten, erhielt der „Rosmarinus officinalis“ im Jahr 2020 den neuen Namen „Salvia rosmarinus“ und wurde damit den Salbeigewächsen untergeordnet. Während sich die Salbei-Familie nun also über Zuwachs freut, musste der Rosmarin seine Eigenständigkeit aufgeben.

Hoffen wir nun, dass diese Entwicklung beim Rosmarin nicht zu Selbstzweifeln oder gar einer ernsthaften Identitätskrise führen wird und es ihm (berechtigterweise!) völlig Jacke ist, wie Botaniker ihn nun genau nennen. Dafür hätte er auch gute Gründe. So darf er sich nicht nur darüber freuen, dass Sebastian Kneipp ihm neben dem Salbei in seinem Werk „Meine Wasserkur – So sollt ihr leben“ ebenfalls ein eigenes Kapitel gewidmet hat, sondern kann sich auch unserer Anerkennung sicher sein: Diese Pflanze wird – zumindest in unseren Laien-Herzen – immer der hoch geschätzte und ganz eigene Rosmarin bleiben. Versprochen. Außerdem: Mit der Aufnahme in die Gattung Salbei hat er es eigentlich auch gar nicht so schlecht getroffen.

Die Heilpflanze Salbei: Nomen est omen

„Wer ein Gärtchen beim Hause hat, wird, wenn er es neu anlegt, den Salbeistock nicht vergessen; er ist eine hübsche Zierpflanze.“, so heißt es in „Kneipps Hausapotheke.“ (Gerade im Moment ist übrigens genau die richtige Jahreszeit, Salbei im Garten anzupflanzen.)
Da Rosen in Kneipps Büchlein beispielsweise keine Erwähnung finden, scheint die Schönheit der lila blühenden Pflanze auch für Kneipp nicht der wesentlichste Aspekt des Salbeis zu sein. So stammt der Name „Salbei“ vom lateinischen Wort „salvia“ ab, einer Wortbildung des Verbs „salvare“, was ins Deutsche übersetzt „heilen“ bedeutet. Rein sprachlich ist der Salbei also die Heilpflanze schlechthin. „Hauptanwendungsangebiete sind die entzündlichen Veränderungen in Mund, Gaumen, Rachen, Zahnfleischblutungen und -eiterungen.“, schreibt Kneipp. Darüber hinaus hilft er bei „katarrhalischen Veränderungen des Verdauungsapparates und ihren Folgezuständen.“ Im Bedarfsfall kann man Salbei als Tee zu sich nehmen, von dem man entweder zwei Tassen täglich trinkt oder ihn als Gurgellösung verwendet, der idealerweise noch ein Teelöffel Honig und ein Teelöffel Essig hinzugefügt wird.

Rosmarin – gut für den Magen, die Verdauung und das Herz

Rosmarin ist laut Kneipp wiederum ein „vorzügliches Magenmittel. Als Tee zubereitet und getrunken, reinigt er den Magen von Verschleimungen, bewirkt guten Appetit und gute Verdauung. Blähungen werden ausgetrieben und jene Erscheinungen günstig beeinflußt, die mit einer schlechten Zirkulation im Verdauungsapparat zusammenhängen.“
Ungewöhnlich für Kneipp empfiehlt dieser in seiner „Hausapotheke“ ergänzend zum Tee noch eine ganz andere Zubereitungsform: „Rosmarinwein sodann, in kleinen Portionen getrunken, hat sich als treffliches Mittel gegen Herzgebrechen bewährt.“ Dieser kann nach Kneipscher Anweisung auch von Nicht-Apothekern recht einfach zubereitet werden: „Zur überaus einfachen Bereitung schneide man eine Handvoll Rosmarin möglichst klein, bringe das Zerschnittene in eine Flasche und gieße diese mit gutem, gelagerten (am besten Weiß-)Wein auf. Nach einem halben Tag schon ist der Abguß als Rosmarinwein verwendbar.“ Von diesem „angenehmen Trank“ soll man täglich morgens und abends ein kleines Weingläschen zu sich nehmen.

Und – nicht zu vergessen: Rosmarin und Salbei als Küchenkräuter. Ein versöhnliches Rezept.

Bislang noch nicht erwähnt ist der Einsatz von Rosmarin und Salbei beim Würzen von Speisen. Dies wollen wir hier nachholen und zugleich dazu beizutragen, das aufgrund der oben genannten Familienangelegenheiten eventuell noch schwierige Verhältnis unter den beiden Kräutern harmonisch neu auszubalancieren.
Besonders geeignet erscheint uns dafür ein Rezept zur Zubereitung von Rosmarin-Salbei-Salz: • 5 EL Rosmarinnadeln
• 5 EL Salbeiblätter
• 2 Zehen Knoblauch
• 160 g grobkörniges Salz
• einige Körner schwarzen Pfeffer
Die Kräuter und der Knoblauch werden fein gehackt und auf einem mit Backpapier ausgelegten Backblech verteilt. Die Mischung kann man, wenn es die Wetterlage zulässt, in der Sonne trocknen lassen oder alternativ im Backofen trocknen (ca. 5 Stunden bei 50°C. Die Backofentür sollte einen Spalt breit geöffnet sein, damit die Feuchtigkeit entweichen kann).
Nach dem Trocknungsprozess füllen Sie die Kräuter und den Knoblauch zusammen mit dem grob gemahlenen Salz und den Pfefferkörnern gut vermischt in ein Glas – fertig ist das Rosmarin-Salbei- Salz, das Bratkartoffeln oder Lamm- und Hühnergerichten eine ganz besondere Note gibt. Wir wünschen guten Appetit!

 

Peter Kaprolat ist als Redakteur und Ideengeber für Tourismusverbände, Reiseanbieter und Gesundheitsdienstleister tätig – unter anderem auch für die Kneipp Premium Class.
Mit seiner Kommunikationsagentur 7eins unterstützt er Unternehmen bei deren digitaler Ausrichtung.