Meerrettich – das „Penicillin der Bauern“

Meerrettich (Armoracia rusticana) wurde von dem Verein zur Förderung der naturgemäßen Heilweise (NHV) zur Heilpflanze des Jahres 2021 gekürt. Das medizinische „Gold“ steckt vor allem in der bis zu 50 cm langen und 6 cm dicken Wurzel.

Meerrettich schmeckt und heilt – das war bereits in der Antike bekannt. Heute wird Meerrettich aufgrund seiner heilenden Wirkung gern mit Ginseng verglichen, da bei beiden Heilpflanzen hauptsächlich die Wurzeln verwendet werden. Die alten Griechen behaupteten sogar, die „magische Wurzel“ sei Gold wert: „Radieschen ist mit Blei aufzuwiegen, Rettich mit Silber, doch der Meerrettich ist sein Gewicht in Gold wert“ heisst es im Orakel von Delphi.

Meerrettich ist Gewürz- und Heilpflanze zugleich und tut aus vielen Gründen einfach gut: Sei es durch seinen immensen Vitamin C-Reichtum oder den unverwechselbar pikanten Geschmack. Bevor Pfeffer, Chili und andere Gewürze erhältlich waren, wurde Meerrettich zum Würzen und Schärfen von Speisen verwendet. Auch heute wird Meerrettich frisch gerieben vor allem zu Fleischgerichten wie zum Beispiel Tafelspitz gereicht. Auch das sattgrüne Blatt vom Meerrettich lässt sich als Gemüse verwenden – beispielsweise als würziges Pesto.

Das hochwüchsige Kraut stammt aus Südosteuropa und soll von den Slawen nach Mitteleuropa gebracht worden sein. In den böhmischen Ländern wird Meerrettich bereits im 12. Jahrhundert erwähnt. Vor allem das Dorf Malín in der Region Kuttenberg war für den Anbau der scharfen Wurzel – die einst als der beste Knoblauch bezeichnet wurde – berühmt. Heute wird Meerrettich auf der ganzen Welt angebaut.

Dass Meerrettich eine wohltuende Wirkung auf den Organismus hat, ist durch zahlreiche Studien medizinisch nachgewiesen: Bei leichten Infekten vor allem der Harn- und Atemwege wirkt Meerrettich antibakteriell, antiviral und schleimlösend und kann sogar bereits vorhandene Grippeerreger schwächen. Bei der fast unendlichen Menge an wichtigen Nährstoffen verwundert es nicht, dass auch das Immunsystem durch den Verzehr von Meerrettich enorm gestärkt wird. Wer von der frisch geriebenen Wurzel im Winter für zwei Wochen jeweils morgens und abends einen Teelöfel zu sich nimmt, kann sich die therapeutische Heilwirkung des Meerrettich zunutze machen und die Körperabwehr in Schwung bringen. Im Winter sollte also die gesunde Knolle in keinem Kühlschrank fehlen. Früher war Meerrettich in jedem Garten zu finden – und als Naturmedizin verabreicht. Auch deshalb bezeichnet man ihn das „Penicillin der Bauern“.

Neben Vitamin C enthält die unscheinbare Wurzel eine unglaublich grosse Menge weiterer Wirkstoffe: Mineralien wie Eisen, Magnesium, Kalium, Kalzium, Phosphor, antibakterielle Substanzen, ätherische Schwefelöle, Vitamine B1, B2 und B6, Senfölglykoside Sinigrin und Gluconasturtiin, Allicin sowie Flavone. Meerrettich hilft bei Erkrankungen des Verdauungssystems, lindert Magenkrämpfe und regt die Darmfunktion an, erhöht den Blutdruck und reinigt das Blut. Er wird während der Rekonvaleszenz angewendet – ebenso wie bei Menschen mit Stoffwechselstörungen, die auf Bewegungsmangel zurückzuführen sind. Man kann jedoch nicht bequem in einer Chaiselongue sitzen und einfach nur Meerrettich essen. Gesunde Bewegung wird diese Wunderwurzel definitiv nicht ersetzen. Doch Vorsicht: Die scharfe Wurzel könnte sensible Schleimhäute und Nieren reizen. Also alles in Maßen!

Die antibakteriellen Wirkstoffe können auch in die Haut eindringen und die Durchblutung reduzieren. Die Folge: Kopfschmerzen, Entzündungen, Rheuma oder Schwellungen heilen schneller. Bei besonders empfindlichen Menschen kann Meerrettich jedoch zu Hautreizungen und Blasen führen, daher lohnt es sich, auf einer kleineren Fläche zu testen, ob man die Substanzen gut verträgt.

Übrigens: Seefahrer haben sich mit früher mit Meerrettich als Proviant eingedeckt, um sich vor Skorbut (veraltet Mundfäule/Vitaminmangel) zu schützen. Eng verwandt ist Meerrettich mit Senf und Wasabi, das in japanischen Restaurants zu Sushi gereicht wird. Was den Meerrettich jedoch mit dem Meer verbindet, ist bis heute leider nicht geklärt.

Eva Tesar hat in Göttingen Philologie studiert. Seit über 20 Jahren arbeitet sie als selbständige Journalistin und PR-Expertin für Tourismus, Hotellerie, Gesundheit, Gourmet und Lifestyle. Eva Tesar lebt in Hamburg-Rotherbaum und arbeitet auch als Kommunikationscoach.

Kategorie: Heilpflanzen
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