Unsicherheit in Zeiten von Corona Steinschlangen

Unsicherheit

Was uns hilft, besser mit Ungewissheiten umzugehen

Vielleicht noch mehr als die nach wie vor geltenden Einschränkungen macht uns die Ungewissheit zu schaffen, die mit dem Coronavirus Einzug gehalten hat. Wir fragen uns, ob der geplante Sommerurlaub in den Süden stattfindet. Wir wissen nicht, wie es beruflich in einigen Wochen oder Monaten aussieht. Wir sorgen uns um Angehörige, weil sie zu einer Risikogruppe gehören. Wie können wir damit umgehen, dass nach wie vor vieles unklar ist? Wie bleiben wir zuversichtlich?

Der Wunsch nach Sicherheit gehört zu den wichtigsten menschlichen Bedürfnissen überhaupt. Betrachten wir die berühmte Bedürfnispyramide des US-amerikanischen Psychologen Abraham Maslow, steht Sicherheit an zweiter Stelle, direkt nach den elementaren physischen Bedürfnissen wie Luft, Wasser oder Nahrung, die für das Überleben absolut notwendig sind. Erst wenn wir uns sicher fühlen, können wir uns um weitere wichtige Bedürfnisse kümmern: soziale Kontakte und Verbundenheit, Anerkennung und Wertschätzung, bis hin zur Selbstverwirklichung, indem wir danach streben, unser ganzes Potential zu entfalten.

Sicherheit bedeutet Schutz und Geborgenheit. Alles läuft in geordneten Bahnen; alles scheint vorhersehbar. Wir leben nach unserem Terminkalender und haben das Gefühl, die Dinge unter Kontrolle zu haben. Das Coronavirus hat uns nun eines Besseren belehrt. Die vermeintliche Sicherheit hat sich in Luft aufgelöst. Von einem Tag auf den andern mussten wir uns alle auf veränderte Lebensumstände einstellen, unsere Routinen aufgeben, wurden in unseren Freiheiten eingeschränkt. Und auch wenn die Einschränkungen nun langsam gelockert werden, bleibt vieles unklar.

Ungewissheit kann Ohnmacht wecken. Ungewissheit kann uns Sorgen und Angst bereiten. Letztlich kann Ungewissheit uns sogar körperlich krank machen.

Ungewissheit ist aber vor allem auch eines: Teil des Lebens. Unsere Planung kann noch so durchdacht sein. Die Garantie, dass alles so kommt, wie wir es uns vorstellen, dass Entscheidungen, die wir in einem Moment nach bestem Wissen und Gewissen getroffen haben, sich auch im Nachhinein als richtig erweisen, haben wir nie. 

Um besser mit Ungewissheit und Unsicherheiten umgehen zu können, ist darum der erste Schritt, uns von falschen Erwartungen zu lösen und zu akzeptieren, dass nicht alles planbar ist. Vor allem nicht die Zukunft. Gerade in den jetzigen Zeiten können wir uns auf die Gegenwart konzentrieren und vorerst immer den nächstfolgenden Schritt planen.

Der Dalai Lama und Erzbischof Desmond Tutu bezeichnen in ihrem gemeinsamen „Buch der Freude“ die eigene Sichtweise als eine von acht Säulen für ein glückliches Leben. Sie meinen damit die Freiheit der Wahl, wie wir zu einer Situation stehen. Als Übung regen sie an, das eigene Problem nicht aus der Ich-Perspektive zu beschreiben, sondern so, als ob es jemand anderen betrifft. Das schafft Distanz und ermöglicht es letztlich, Dinge in einem größeren Rahmen zu sehen.

Selbstverständlich geht es nie darum, schwierige Situationen zu bagatellisieren. Ungewissheit, etwa wenn es um die Sicherheit des Arbeitsplatzes geht, kann zu einer schweren Belastung werden, die professionelle Hilfe erfordert. Und gerade wenn man von Sorgen und Ängsten überwältigt wird, fällt es schwer, sich aus der Situation rauszudenken. In solchen Momenten helfen kleine Atem- und Entspannungsübungen – Anregungen finden Sie in unseren Wohlfühltipps oder auf Videoplattformen im Internet. Auch ein Realitätscheck kann sinnvoll sein, um sich nicht in unnötige Ängste hineinzusteigern. Wo und in welchem Maße sind die Sorgen tatsächlich berechtigt?

Ein Mittel, um permanentes Grübeln zu stoppen, ist das Schreiben. Wenn Sie sich die Zeit nehmen, um Ihre Gedanken zu notieren, entlasten Sie damit Ihr Gehirn. Und Sie können sich bewusst sagen, dass Sie sich zum Beispiel für eine Stunde damit auseinandersetzen, sich danach aber wieder auf andere Dinge konzentrieren. Dinge, die Ihre physische und psychische Gesundheit stärken: Dazu gehören gesundes Essen, Bewegung, Gespräche. Dinge, die Ihnen Spaß machen und Freude bereiten. Denn wenn es uns von innen heraus gut geht, gelingt es uns auch, besser mit Unsicherheiten umzugehen und zuversichtlicher in die Zukunft zu blicken.

Bettina Bichsel schreibt und bloggt rund um Medizinisches, Gesundes und Kneipp-Spezifisches. Daneben arbeitet die diplomierte Journalistin als Texterin, Kommunikationsexpertin und Coach.

Kategorie: Balance, TOP Themen