Weihnachtsstress

Weniger ist mehr – gerade in der Weihnachtszeit

Am Sonntag beginnt die Adventszeit – und damit leider auch für so manche der vorweihnachtliche Stress. Aber muss das wirklich sein? Ein Plädoyer für einen entschleunigten Jahresausklang.

Der Adventskalender ist gefüllt, aber das war ja erst der Anfang. Wann werden die Weihnachtsgeschenke besorgt? Habe ich überhaupt für alle eine passende Idee? Wann backe ich Plätzchen? Wie soll das Weihnachtsmenü aussehen? Wann kümmere ich mich um den Baum und die Deko? Und wann waren nochmal die Feiern in Kita, Schule und Fußballverein?

Schon angesichts der privaten organisatorischen Herausforderungen raucht der Kopf und der Terminkalender quillt über. Doch damit nicht genug: Auf der Arbeit drängt die Zeit wegen der Jahresabschlüsse und aus Sicht des Chefs gibt es noch zig Aufgaben, die bis Ende Jahr unbedingt erledigt werden müssen – bereits angehäufte Überstunden hin oder her.

Umfragen zeigen, dass sich ein Großteil der Menschen – vor allem der Frauen – in der Vorweihnachtszeit gestresst fühlt. Und das Gemeine: Gerade die Hektik in den Läden beim Geschenkeeinkauf kann sich übertragen. Wenn alle genervt rumschwirren, lässt das den eigenen Reizpegel gerne ebenfalls nach oben schnellen.

Dass Stress nicht gut tut und wir ihn möglichst aus unserem Leben verbannen sollten, ist uns natürlich längst klar. Nur ist das oft leichter gesagt als getan. Schließlich wollen wir gerade an Weihnachten, dass alles toll und niemand enttäuscht wird. Außerdem verläuft alles nach einem langjährigen, festgeschriebenen Drehbuch. Das hat Tradition. Punkt.

Doch gerade diesen Punkt lohnt es zu überdenken! Traditionen sind schön, ja. Aber sie sind nicht in Stein gemeißelt. Und überhaupt: Weiß ich eigentlich mit Sicherheit, dass alle, deren Erwartungen ich zu erfüllen meine, auch tatsächlich so an diesen Traditionen hängen?

Muss es wirklich das aufwändige 4-Gänge-Menü sein, für das ich zwei Tage lang in der Küche stehe? Müssen auch dieses Jahr acht verschiedene Sorten Plätzchen zum Kaffee serviert werden? Und wer sagt, dass alles bereit sein muss, wenn die Gäste kommen? Gemeinsames Kochen und Dekorieren kann ebenso Spaß machen. Geladene Gäste können genauso gut etwas zum Weihnachtsbüffet beitragen. Und in Absprache in Freundes- oder Nachbarschaftskreisen kann jede*r ein bis zwei Plätzchensorten backen, dafür jeweils in größerer Menge, und am Ende tauscht man untereinander aus.

‚Weniger ist mehr‘ könnten wir uns zu Weihnachten ganz grundlegend zu Herzen nehmen. Es muss weder alles perfekt sein, noch müssen wir allen (vermeintlich wichtigen) Verpflichtungen nachkommen. Und nein, der Geschenkeberg muss nicht größer sein als im vergangenen Jahr. Ein einzelnes Präsent auch nicht teurer als das letztjährige. Sebastian Kneipp hat bereits zu seiner Zeit erkannt: „Gegen das, was man im Überfluss hat, wird man gleichgültig.“

In meiner Familie haben wir Geschenke zu Weihnachten irgendwann ganz weggelassen – die gemeinsame Zeit haben wir dennoch (oder vielleicht sogar mehr?) genossen. Zugegeben, dieses Jahr werde ich mit dieser neuen Tradition brechen und meinem Neffen ein Päckchen unter den Baum legen; selbst wenn er sich wohl nie an sein erstes Weihnachten erinnern wird. Schenken kann ungemein schön sein, wenn es nicht zur Pflichtübung verkommt!

Im ganzen vorweihnachtlichen Trubel sollten wir uns einfach fragen: Was ist wirklich wichtig? Die Frage mag platt klingen. Ist sie aber nicht, wenn wir sie ehrlich beantworten. Was braucht es für ein schönes Weihnachtsfest, das Freude bereitet? Auch im Vorfeld? Wie komme ich entspannt durch den Dezember? Wie kann ich mir immer wieder kleine Auszeiten schaffen, damit ich nicht gestresst, sondern ‚be-sinnt‘ in die Feiertagszeit gehe?

Bettina Bichsel schreibt und bloggt rund um Medizinisches, Gesundes und Kneipp-Spezifisches. Daneben arbeitet die diplomierte Journalistin als Texterin, Kommunikationsexpertin und Coach.

Kategorie: Balance, TOP Themen